Dokumentarfilme

Dokumentarfilme zu politischen, historischen, sozialen und ethischen Themen

Wir planen einen Film über das ehemalige Chinesenviertel in St.Pauli (Schmuckstrasse) zu drehen und suchen dafür Zeitzeugen.Vielleicht gibt es jemand unter Ihnen, der uns etwas darüber erzählen kann oder er kennt einen, der der etwas darüber weiß.

Bertram Rotermund
info@rotermundfilm.de

Sucht man nach den Anfängen chinesischen Lebens in Hamburg, so findet man zunächst nicht mehr als eine bescheidene Gedenktafel in der Schmuckstraße auf St. Pauli. Mitten auf dem Hamburger Kiez, zwischen Talstraße und Großer Freiheit gab es bereits in den zwanziger Jahren ein „Chinesenviertel“. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten sich dort einige hundert Chinesen, meist ehemalige Seeleute, niedergelassen, mit kleinen Läden, Wäschereien und Gaststätten im Souterrain. In Altona gehörten die Chinesen zum internationalen Schmelztiegel des bunten Hafenviertels.

Von der Bevölkerung wurden sie allerdings meist distanziert als fremdartig oder gar bedrohlich wahrgenommen: Gerüchte von „Opiumhöhlen“ und zwielichtiger „Unterwelt“ kursierten, Polizeiaktionen und rassistische Diskriminierung waren an der Tagesordnung, auch wenn die exotisch fremde Atmosphäre der „Chinesen-Gasse“ manchen St.-Pauli-Flaneur faszinierte. Während des Dritten Reiches gerieten die Hamburger Chinesen zunehmend in den Blick der Behörden, wurden verfolgt, interniert oder ausgewiesen. Am 13. Mai 1944 führte die Gestapo schließlich eine „Chinesenaktion“ durch, bei der 130 chinesische Männer festgenommen, misshandelt und monatelang im Arbeitserziehunglager „Langer Morgen“ im Hamburger Hafen inhaftiert wurden.
Das war das Ende des „Chinesenviertels“ auf St. Pauli.